Wie färbt man Wolle


Teil 2

Während die Wolle auf meine Rasen vor sich hin trocknete, fuhr ich in den nächsten Handarbeitsladen. Hier war ich Stammkundin und verstand mich mit der Verkäuferin gut. Auf dem Land kennt noch jeder Jeden und man hilft sich gegenseitig gerne.
Nach und nach füllte sich der kleine Laden und ich überfiel jede Kundin mit der Frage. „Wie färbt man Wolle?“ Die Tipps flogen hin und her.
„Damit die Farbe annimmt bracht man Färbesalz.“
„Und nach dem Färben, Essig, damit die Farbe fixiert wird.“
Und so weiter und sofort.

Mein nächster Gang führte mich in die Drogerie. Im Regal für Waschmittel, befand sich ein Bort mit Färbemittel und Zubehör. Die chemischen Mittel wollte ich nicht. Ich fand, dass passte nicht zu der Wolle. Auf der Salzpackung stand, wie ich die Wolle damit behandeln musste.

Zu Ostern färbten wir die Eier mit Zwiebelschalen. Damit wollte ich die Wolle auch einfärben.
Mittlerweile hatte ich eine Handspindel und diverse ungleichmäßige kleine Wollestränge lagen vor mir. Ich befüllte meinen Topf mit Zwiebelschalen und kochte sie gut durch. Mehr als ein Strang plus Zwiebelschalen passten nicht in meinen Suppentopf. Ich gab die erforderliche Menge Salz dazu kochte alles noch gut eine Stunde. Zwischendurch bewegte ich die Wolle. In der Küche hing der Geruch von nasser Wolle und Zwiebel.

Die abgekühlte Wolle spülte ich gut aus und gab zum Schluss einen guten Schuss Essig ins Wasser. Nach und nach füllte sich meine Wäscheleine mit sechs kleinen Wollsträngen. Jeder hatte eine andere Farbe. Ich begriff deutlich, was der Warnhinweis: „Achten sie auf die Farbpartie“ bedeutet.
Ich war stolz auf mich, bis zu dem Tag, als ich meine Wolle meinen so genannten Freunden zeigte.
Als ich um Hilfe bat, kamen nichts sagende Ratschläge. Nun hagelte die Kritik.
„Warum ist die Farbe so blass? Benutz du kein Alaun?“
Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, was Alaun ist oder, wo man sie bekam.

erster Spinn- und Färbeversuch mit Zwiebelschale

Text und Foto: M.P.

Die erste Wolle


Teil 1

Vor einiger Zeit bekam ich sechs Fließe von Bentheimer Landschaften geschenkt. Anders gesagt: es gab zwei Möglichkeiten, entweder ich nahm die Wolle, oder man vergrub sie, wie all die Jahre zuvor.
„Nehme ich gerne“, sagte ich.
Wie es meine Art ist, überlegte ich erst hinterher, was ich damit anfangen sollte. Wenn man schon Mal etwas kostenlos bekommt, sagt man artig „Ja“. Möglicherweise gibt es kein zweites Mal, dachte ich mir.
Ich stand mit einem halben Dutzend Plastiksäcke schmutziger, stinkender Schurwolle da, und hatte keine Ahnung wie sie verarbeitet werden muss. Als erstes kippte ich die Säcke aus. Die Wolle fühlte sich feucht an. Das konnte nicht gut sein. Das wusste ich.
Ich holte mir eine Plane und breitete die Wolle darauf aus. Die Tiere lebten scheinbar in keinem sonderlich sauberen Stall, überall klebten große angetrocknete Kotstellen. Mäuse bauten schon ihre Nester und jede Menge Strohhalme steckten in den Haaren.
Während die Wolle vor sich hin trocknete, wälzte ich alte Handarbeitsbücher. In einem stand, wenn ich die Wolle spinnen will, braucht sie nur vom groben Schmutz gereinigt werden.
Spinnen? Ein Spinnrad habe ich nicht, auch keine Handspindel. So weit habe ich noch gar nicht nachgedacht.
In einem anderen Buch stand, dass Wolle vor dem Färben entfettet werden muss, sonst nimmt die Farbe nicht an.
Was man alles bedenken muss. Meine Entschluss stand fest, ich wollte färben. Bis die Wolle trocken war konnte ich noch überlegen, wie ich weiter vorgehen wollte.

Isla Muerta


Neulich war ich seit langem wieder einmal in Bremen. An der Schlachte hat die alte „Admiral Nelson“ das Pannekookenschip festgemacht. Immer schon wollte ich dort einkehren, nur leider gab es keine Gelegenheit. Aber diesmal, diesmal sollte es sein. Ich stieg also an der Heerstraße in die Straßenbahn und wunderte mich leicht. Neben dem noch einzigsten freien Platz saß ein Pirat.

Dies war nicht mein erster Aufendhalt in Bremen. Der eine oder andere Wikinger oder Liverollenspieler war mir schon über den Weg gelaufen oder gefahren. Bis zu meiner Haltestelle „am Brill“ füllte sich die Bahn mit immer mehr Freibeutern. Jetzt war ich umringt von Dreispitz und Rüschenhemden. Über allem schwebte ein Hauch von Nostalgie. Die übrigen Passanten hasten noch schnell vor Ladenschluss in die Geschäfte.

Ich bog beim „Luv“, einem gemütlichen Lokal an der Schlachte, um die Ecke und steuerte den Pier an.

Hier wurde ich aufgehalten. Man wollte Eintritt von mir. Den muss man bei uns, auf dem Land in einigen Abendlokalen, auch entrichten. Aber dass auch Eintritt in Speiselokale verlangt wird ist mir neu. Großstadt.

Zu meiner Überraschung war ich in ein Live Konzert von „Obscuratis“ aus Osnabrück geplatzt. An Deck war schon eine Riesen Stimmung. Die Weser plätscherte an die Bordwand. Die Trommel- und Sackpfeifenklänge wehten über den Fluss zum anderen Ufer und prallten von den Hauswänden wieder ab.

Zu meinem gemütlichen Abendessen bin ich nicht gekommen, aber dennoch war es ein gelungener Abend.

Wie ich hörte, war dies nicht die erste Veranstaltung mit dem Namen „Isla Muerta“. Wenn „Old Celtoi Radio“, ein Internetradiosender aus Bremen, die nächste Veranstaltung macht, bin ich gerne wieder mit dabei.

Text: Monika Paulsen

Das Capricorn kehrt zurück


Die Vechte schlängelt sich durch die Auen. Hier und da steht ein Reiher und wartet auf Beute. Vom Fluss hört man die Befehle des Kommandanten. Schwer beladen marschierten die Männer der LEGIO XXII PRIMIGENIA im Auftrag Kaiser Caligula in germanischen Gebiete ein. Wir schreiben das Jahr 39 n. Chr.

Unbemerkt fällt das Capricorn, das Truppensymbol zu Boden. Die nachfolgenden, mit Sandalen bewährten Füße, treten es immer tiefer in den Boden.

Es sind schon einige Jahrhunderte ins Land gezogen. Die Römer sind fort, die Germanen auch. Das Christentum ist über das Land geschwappt und hält noch an. Im Namen Christi ist gefoltert und gemordet worden. Überall im Land brennen die Scheiterhaufen. Die Schreie der Ketzer hallen durch die Nacht. Aber auch diese Zeit liegt lange zurück.

Das Capricorn schlummert im Boden.

Napoleon walzte über das Land bis nach Russland. Die Menschen an der Vechte leben in Angst. Welchen ihrer Söhne und Väter wird es treffen. Wer muss mit dem IV. Landwehrbataillon mit. Der Graf hat Nachricht an seine Untertanen in die Grafschaft geschickt. Und das Capricorn schlummert im Boden.

Napoleon hat schon längst auf Elba das Zeitliche gesegnet. Ein neuer Krieg tobt über das Land. Wieder müssen Väter und Söhne mit ziehen. Der erste Weltkrieg hat alle fest im Griff. Nur das Capricorn nicht. Das schlummert im Boden.

Ein Bauer an der Vechte bestellt sein Feld. Ein metallischer Gegenstand wird vom Pflug ans Tageslicht geholt. Dies, etwa fünfzehn Zentimeter lange und ungefähr fünf Zentimeter hohe Ding, verschwand in die Hosentasche. Später legte seine Frau es in irgendeine Schublade auf dem Hof. Und wieder tobt ein Krieg und verwüstet das Land nicht nur in der Grafschaft. Das Capricorn schlummert in der Lade.

Es sind schon wieder viele Jahre ins Land gezogen. Über sechzig Jahre ist es nun her, als der Bauer an der Vechte eine Metallskulptur fand.

Die Vechte schlängelt sich immer noch durch die Auen. Ein Fischreiher streicht ab und fliegt von dannen. Schwer beladen marschieren die Soldaten in der nähe von Emlichheim an dem Ufer des Flusse in Richtung Rathaus.

Nach fast 2000 Jahren ist nun das Capricorn wieder im Besitz der LEGIO XXII PRIMIGENIA.

Römerlager

Römer der LEGIO  XXII PRIMIGENIA

Text und Foto: Monika Paulsen

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