Literaturwegen II


Nun ist es s0 weit. Seit dem 23. November 2012 ist der zweite Band von Literaturwegen auf dem Markt. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Samtgemeinde Uelsen und Tubbergen (NL).

Auf deutscher Seite ist das Buch bei der Volksbank, Mine und dem VVV zu bekommen.

Und so sieht der Cover aus …. man möge mir den Sekt verzeihen, ich habe das Werk gebührend begossen.

Hier eine Leseprobe meiner Geschichte:

Das Geheimnis der Itterquelle

Wütend schmiss der Junge den Telefonhörer auf die Station.

Aus dem Küchenschrank holte er eine Plastikdose und ging zum Schuppen. Vor ein paar Tagen hatte Gerrit schon einen Kescher aus den Strumpfhosen seiner Mutter gebastelt und hinter den Gartengeräten versteckt. Als er das einfache Fanggerät hervor zerrte, riss er einen Karton um und entdeckte den geheimen Schnapsvorrat seines Vater. Eine Flasche Korn kippte um, rollte von Regal und zerbarst vor seinen Füßen. Augenblicklich verbreitete sich der scharfe Geruch von Alkohol und stach ihm in die Nase. Mit dem Fuß schob er die Scherben zusammen und deckte alles mit einem alten löchrigen Kartoffelsack zu.

Die rostige Fahrradkette knarzte bei jeder Umdrehung und Gerrit trat während der Fahrt immer wieder mit dem Fuß ans Kettenblech, damit das Schleifen aufhörte.

„Die scheiß Karre vom Sperrmüll war auch nicht viel besser als die alte“, murmelte er vor sich hin. Aber wenigstens war der Rahmen höher, so dass er nicht mehr mit den Knien lenken musste. Als Gerrit die Mühlenstraße entlang strampelte, dachte er über Hermann nach. Die Sonne brannte ihm auf den Nacken, doch das war ihm egal. Er kochte schier vor Wut und steigerte sich immer weiter hinein. Die Beiden wollten heute an der Itterquelle Kaulquappen fangen und nun kam sein Freund nicht, weil ihm Gerrits Fahrrad zu langsam war. Aber wenn Hermann in Mathe abschreiben wollte, weil er wieder nicht geübt hatte, dann war Gerrit gut genug. Idiot, blöder, der würde sich noch wundern.

Gerrit warf das Rad an einen Baum und stapfte mit seinen Gerätschaften zum Holzsteg. An der Pumpe wollte er Wasser holen, weil der Boden weiter hinten zu morastig war und nachgab. Deswegen hatte er einen langen Stiel an den Kescher gemacht. Nach zweimaligem pumpen flossen die erste Tropfen die Rinne entlang, wurden schnell zum Rinnsal und füllten den Becher. Da entdeckte er etwas. Was war das? Da glitzerte es doch. Kaltes Wasser rann ihm über die Hand und er zog sie abrupt weg. Suchend sah der Junge sich nach einem Werkzeug um. Gerrit angelte sich einen abgeknickten Ast heran und fischte mit dem Stöckchen nach dem Gegenstand. Dabei wäre er fast kopfüber in den Bach gefallen. Zweimal flutschte das Ding wieder runter und die Bewegungsringe nahmen ihm die Sicht. Gerrit sah nichts mehr und musste warten, bis das Wasser wieder klar war. Endlich hielt er seine Entdeckung in der Hand. Es war ein schmales goldfarbenes Armband mit einem herzförmigen Anhänger, der wohl im Wasser geglitzert haben musste. Auf der einen Seite war etwas eingraviert. ‚Für Jutta in Liebe Rudolf‘, las er.

Langsam ließ Gerrit sich das schmale Gliederband durch die Finger gleiten. Die Kaulquappen waren erst mal vergessen. Er setzte sich auf eine Bank, starrte über das kleine Ittertal und überlegte sich, was er mit dem Erlös alles kaufen konnte. Jetzt war er froh, dass Hermann nicht mitkommen wollte. Morgen würde Gerrit nach der Schule zu Jan gehen, der trotz seines Slogan, sein altes Rad nicht wieder flott bekam, und sich informieren, was es neues auf dem Fahrradmarkt gab. Den Fund steckte er tief in die Hosentasche und machte sich auf den Heimweg.

Wie es weiter geht, kann man im Buch nachlesen.

Text und Foto: Monika Paulsen

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