Kirschkerne


Das zweite Buch der Schreibwerkstatt Wortgewand/t Nordhorn e.V. ist raus. Morgen um 11:00 Uhr wird es der Öffentlichkeit bei einer Adventsleseung im Bon Cafe in Nordhorn vorgestellt.

Kirschkerne

ISBN 978-3-9814894-4-6

Erhältlich bei:

„die Buchhändlerin“ in Neuenhaus und Wietmarschen

Buchhandlung Oortmann in Neuenhaus

Buchhandlung Mine in Uelsen

Buchhandlung Hannes Laden in Emlichheim

Text und Foto: Monika Paulsen

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Mein ungeschriebener Roman


Wer kennt das nicht, das Gefühl, etwas großes bewirkt zu haben, etwas bedeutendes, bleibendes, kurzum ein literarisches Meisterwerk der Nachwelt zu hinterlassen.

„Das kann doch nicht so schwer sein“, dachte ich.

Tausende, ja wenn nicht Millionen dieser Kunstwerke werden jedes Jahr auf den Markt geschwemmt und warten nur auf uns, den Leser. Also, warum sollte ich mich nicht auch einmal hin setzten und eine DER Geschichten zu Papier bringen, die schon seit Jahren in meinem Kopf herum spuken. Vor meinem geistigen Auge prangten in großen bunten Lettern die Ankündigung meines ersten Werkes mit dem Titel „die Fremde“ und schrie förmlich nach Hollywood. Auf meiner Stirn schillerte bereits ein dickes Dollarzeichen, noch bevor ich auch nur einen Buchstaben aufgeschrieben hatte. Frohen Mutes setze ich mich mit einer Tasse Kaffee und einem Stoß Blätter in den Garten und war mir sicher, dass ich bis zum Abendessen mein Werk vollende haben würde. Mit einer schwungvollen Bewegung schrieb ich etwas krakelig „die Fremde“ auf den oberen Teil des Blattes.

„So“, dachte ich, „der Anfang ist gemacht.“ Zufrieden lehnte ich mich zurück und trank einen Schluck des belebenden Getränkes. Ich ging in Gedanken meine Geschichte durch.

Seit Jahrzehnten lebe ich in dieser Kleinstadt und könnte nicht behaupten, ein Teil von ihr zu sein. Erst, wer seit Generationen hier wohnt, darf sich dazugehörig fühlen. Mich hat das schon immer gewurmt und heute kommt der Tag der Abrechnung, quasi das „High noon“ diese Stadt. Was wäre, wenn in irgendeinem Garten oder schöner noch, bei den Bauarbeiten an der Hauptstraße ein uraltes Grab gefunden werden würde, dass beweisen könnte, ich, die Zugereiste, also die Fremde, bin gar keine, sondern eine Alteingesessene, ja vielleicht sogar eine Nachfahrin der Gründerfamilie? Ah, das wäre die Sensation.

Ich ließ unter der Überschrift eine Reihe frei und setzte den Stift an. Aber schon nach dem ersten Strich hielt ich inne und grübelte nach. Wie konnte man den Beweisen, dass es sich bei den Knochen um meine Verwandtschaft handelte? C14, schoss es mir in den Sinn. Ich hatte vor einigen Jahren in einem Buch über Paläontologie gelesen, dass das Alter und die Herkunft mit der Radiokarbonmethode, C14, festgestellte werden kann. So weit so gut. Und wie macht man das? Ich hatte keine Ahnung. Ja, würde mein potentieller Leser mir glauben, was ich da alles so schrieb? Wenn ich falsch lag und der Käufer meines glorreichen Werkes kannte sich aus und entlarvte mich als Lügnerin, würde er dann weiter lesen wollen? Sicher käme von ihm keine Weiterempfehlungen, wenn er nicht gar sein Geld zurück verlangte.

„Nein“, sagte ich mir, „so geht das nicht. Du selber schaust doch auch bei jeder Ungereimtheit sofort nach. Also, mach dich schlau.“

„Mach dich schlau, mach dich schlau“, zwitscherte das Engelchen auf meiner Schulter.

„Papperlapapp“, giftete auf der anderen Schulter das Teufelchen und drohte dem Engel mit der Faust.

„Wo kommt ihr beide denn her“, konnte ich gerade noch flüstern, da sprang der Teufel auch schon wütend an meiner Nasenspitze vorbei und riss dem Engel die Harfe aus der Hand. Ratlos sah ich von einem zum anderen, immer bemüht aus der Gefahrenzone zu blieben. Doch so plötzlich der Streit begonnen hatte, genauso plötzlich war er beendet und es herrschte Ruhe. Mit zitternden Fingern griff ich zu meiner Kaffeetasse, nahm einen großen Schluck und spuckte alles sofort wieder aus. Die Brühe war eiskalt. Mein Blatt zierte die Überschrift und eine Reihe von brauner Kaffeeflecken, nah toll. Tja, meine Liebe, so einfach ist das mit dem Roman schreiben scheinbar doch nicht.

Missmutig ergriff ich die GN und verschanzt mich dahinter. Wie mit unsichtbaren Fingern wurde mein Blick auf einen kleinen Artikel am Rand gelenkt.

„Führung durch das bronzezeitlich Gräberfeld. Interessierte können sich in eine längst vergangen Zeit entführen lassen. Der Eintritt ist frei.“

Es stand da noch, wo und wann das ganze statt finden sollte. Na, wenn das nicht ein Wink des Schicksals war. Auf zu Recherchearbeiten auf das Gräberfeld.

Der besagte Tag war da und ich war nicht alleine. Schon von weitem sah ich die Menschenansammlung. Oh je, viel fragen werde ich wohl nicht können. Geduldig hörte ich mir den Vortrag an, begriff nicht viel, verstand gar nichts, aber ich hatte den Finger auf die Geschichte des Nachbarortes gelegt und damit den Grundstock für meinen allerersten Roman. Ich war begeistert. Am liebsten hätte ich nach einer Schaufel gegriffen und hätte mich selbst ins Getümmel gestürzt. Ich muss wohl halblaut vor mich hin gesprochen haben, denn hinter mir sagte eine Stimme: „Schüppen haben wir genug.“

Verdutzt drehte ich mich um und scharrte verlegen mit dem Fuß auf den Boden. Aber an meinem nächsten freien Tag stand ich wieder da, bewaffnet im Block und Stift und mit der Zuversicht, heute würde ich meinen Roman beginne.

Da ich nicht mit der Tür ins Haus fallen wollte, ließ ich mir Arbeit auftragen und näherte mich so den Wühlmäusen, laut nannte ich die Archäologen lieber nicht so, an und versuchte Vertrauen auf zu bauen. Nach einigen Tagen wagte ich den ersten Vorstoß.

An dieser Stelle kürze ich die Sache mal ein bisschen ab. Ich habe mir quasi einen Mann „ausgegraben“, aber in meiner Recherche bin ich nicht viel weiter gekommen. Fast ein Jahr hat es sich hin gezogen, bis wir uns einig waren. In unsere Beziehung gab es Höhen und Tiefen, so wie das in jeder Beziehung ist und der Zettel mit der Überschrift verschwand einstweilen in der Schublade zu all den anderen angefangenen Geschichten.

Die Jahre zogen ins Land, mein Roman geriet in Vergessenheit und die Partnerschaft ging in die Brüche.

Jetzt wäre es an der Zeit meinen ersten Roman wieder heraus zu holen und endlich an zu fangen. Ich kramte in den unendlichen Tiefen meiner Aufzeichnungen und ganz unten in der Lade, da lag der Zettel mit der einzigen Zeile,dem einzig mögliche Titel, den mein erster Roman haben kann. Behutsam glättete ich die Eselsohren und legte ihn liebevoll auf meinen Schreibtisch.

„Es ist heute schon zu spät um noch an zu fangen“, dachte ich, „Morgen, ja morgen ganz bestimmt, da fange ich an meinen ersten Roman schreiben. Und, er wird ein Erfolg werden, da bin ich mir sicher.“ Ich schlurfte ins Schlafzimmer und ließ mich auf das Bett sinken.

„Hollywood ich komme“, murmelte ich noch, zog mir die Decke bis ans Kinn, „ja, morgen fange ich an…“

Nachbetrachtung der Lesung von den „Tollkirschen“


Als ich gestern Morgen aufstand, hatte es wieder geschneit. Die Straße war mit einer geschlossenen Schneedecke bedeckt. Zum Glück hatte ich mit den Wecker um 6:00 Uhr gestellt. Um 11:00 Uhr sollte die Lesung sein und ich habe ein Weg von etwa fünfzehn Kilometer vor mir. Weil wir uns eine halbe Stunde vorher treffen wollten, musste ich zeitig aufbrechen.

Jetzt stand erst einmal Schnee schippen auf dem Plan und mit dem Hund eine Runde drehen.

Der Weg nach Nordhorn war schwierig, aber es ging. So früh am Morgen waren noch nicht viele Autofahrer unterwegs. Dennoch schienen einige nicht bemerkt zu haben, dass es geschneit hatte und es ganz schön glatt war. Von, bis auf einige Zentimeter auf den Vordermann auffahren und oder aus einer Seitenstraße noch schnell davor witschen, war alles dabei. Zum Glück ist es zu keinem Unfall gekommen.

Nichts desto trotz, waren etwa zwanzig Zuhörer gekommen. Wir haben etwa eineinhalb Stunden gelesen. Im Durchschnitt hat fast jeder ein Buch mit genommen.

Wir können zu Frieden sein.

Text Monika Paulsen

Unser Buch ist fertig


Die Schreibwerkstatt Nordhorn e.V. läd zur Lesung ein.

wann: 19.Dezember 2010

wo: in Nordhorn im Bon Café, in der Hagenstraße

 

Die Mitglieder der Schreibwerkstatt lesen aus eigenen Werken. Im Anschluß besteht die Möglichkeit, die „Tollkirschen“ zu erwerben und sich signieren zu lassen.

 

Das Bändchen ist in einigen ausgewählten Buchhandlungen in der Grafschaft Bentheim zu bekommen.

Text und Foto: Monika Paulsen

Tollkirschen


Gestern habe ich die „Tollkirschen“ abgeholt. Ich war angenehm überrascht. Das schmale Bändchen mit über hundert Seiten passt bequem in jede Tasche. Der ideale Begleiter für lange Bahnfahrten.

Die Mitglieder der Schreibwerkstatt Nordhorn haben Verse in verschiedenen Formen und kleine Geschichten zusammen getragen.

Das Buch ist in einigen Buchhandlungen in der Grafschaft Bentheim für einen Preis von 9,80 Euro erhältlich. Interessenten können sich auch mit mir in Verbindung setzten. Ich gebe es an den Vorstand weiter.

Text und Foto: Monika Paulsen

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