Literaturwegen

 

Seit Anfang November gibt es ein Radwanderbuch auf dem Mark, das seines gleichen sucht.  Urlauber und auch Einheimische, die gerne mit dem Fahrrad die Landschaft erkunden, können mit der mitgelieferten Radwanderkarte, die Strecke abfahren.

Schaufenster: Hannes Laden in Emlichheim

Jetzt fragt sich sicher der eine oder andere, wo er denn diese Radtour machen kann. Es geht in die schöne Grafschaft Bentheim, genauer gesagt in die Samtgemeinde Emlichheim, in Niedersachsen. In dem Buch werden fünfzehn Denkmäler und besondere Orte beschrieben. Zu jedem gibt es eine Kurzgeschichte, die für Kurzweil sorgt. Fast alle Autoren stammen aus der Grafschaft und sind mit ihrem Objekt vertraut.

Das Buch ist beim VVV (Vier von der Vechte) erhältlich. Genauere Informationen sind hier erhältlich

http://www.emlichheim.de/magazin/artikel.php?artikel=219&type=2&menuid=455&topmenu=4

und in Hannes Laden in Emlichheim

 

Das Autorenteam mit den Projektleitern Jörg Ehrnsberger und Dr. Thorsten Stegemann

Hier eine Leseprobe meiner Geschichte:

Bis dass der Tod euch scheidet

Sie rührte im Eintopf und schob ihr Häubchen zurecht, als die Tür gegen die Wand krachte und der Bauer in seinen mit Dreck beschmierten Trippen in die Kochstube klapperte.

„Ist Etten kloar? Ik mött noch Plaggen steaken.“

Wortlos stellte sie den Eisentopf auf die Tafel, füllte seine Essschale, um sich dann in die Ecke neben der Dielentür zurück zu ziehen. Auf dieser Seite der Küche befanden sich Schemel und davor ein Fass, das ihr als Tisch diente. Von hier aus erreichte sie die Kochstelle in zwei Schritten und bewachte das Feuer, während sie seine Sachen flickte.

Der Hausherr setzte zum Tischgebet an, als jemand energisch an die Küchentür hämmerte. Die Tür flog auf, bevor er `herein´ sagen konnte. Ein Städter in einem weinroten Samtanzug mit langer goldfarbener Weste und Kniebundhose trat in die Küche. Er stützte sich schwer auf den Elfenbeinknauf seines Handstocks und fixierte unverzüglich den Landmann.

„Jan Hindrik, wie ich erfahren musste, hältst du dich nicht an meine Anweisungen“, dröhnte seine Stimme durch den Raum und der Bauer zog unwillkürlich den Kopf ein und ließ seinen Löffel fallen.

Ob das mit dem Rundschreiben vom Tag zuvor zu tun hatte? Sie hatte es zwar gesehen, wusste aber nicht, was drin stand. Neben ihr befand sich der Feuerholzkorb und obenauf lag ein zusammengeknülltes Papierblatt. Vorsichtig angelte sie es sich heraus. Sie strich es glatt, bemüht, so leise wie möglich zu sein und las:`…gegen die Wanderdünen in der Berger Wüste wird aufgeforstet. Jedem Bauern wird untersagt, sein Vieh auf der Heide weiden zu lassen und auch das Plaggen stechen ist strengstens verboten …`Hier endete der Zettel. In seiner Wut hatte er offensichtlich das Blatt zerrissen, statt es zum Nachbarn zu tragen.

„Du lässt weiter deine Tiere auf der verbotenen Fläche grasen.“

„Well bin Ih, wat mähn Ih uh wall?“ Jan Hindrik ging ohne Umschweife zum Angriff über.

„Du erkennst mich nicht? Das wundert mich allerdings. Ich bin Lambert Lefers, Landrat zu Hannover“, sagte der Mann, während er mit der freien Hand an seinem Jabot spielte.

Lambert, das ist mein Lambert, schoss es dem Weib in den Kopf. Ich hätte ihn fast nicht erkannt, so elegant ist er. Sie sah verschämt zu Boden.

„Wu kummst du dorupp? Mine Schoape stoat unnen an de andere Siete van de Lee.“

Bei den Worten sah sie auf und bemerkte, wie der Amtmann die Antwort überging.

„Ich gebe dir einen Tag Zeit, meinen Anordnungen Folge zu leisten, dann kehre ich mit dem Büttel zurück und lasse dich festnehmen.“

Sie spürte, wie die Blicke des Beamten sie streiften. Ihr Gesicht brannte, das konnte nur bedeuten, dass sie errötete. Hoffentlich bemerkt es niemand, betete sie inständig.

In ihren Ohren klangen Lamberts Worte nach, die er ihr vor zwanzig Jahren beim Heideblütenfest zuraunte.

„Adele, sag doch endlich ja.“

„Ich weiß nicht was du meinst, wozu soll ich ja sagen?“

Sie fühlte, wie er seine Hände um ihre Taille legte und sie im Rhythmus der Lautenklänge herum schwang. Ihre Röcke raschelten und wirbelten. Die übrigen Festbesucher umringten sie.

„Ach, Adelchen, ich liebe dich. Ich will nicht mehr ohne dich sein. Werd´ meine Frau.“

„Frag zuerst Vater, so wie es sich gehört.“ Sie löste sich aus seiner Umarmung und flüchtete…

Wie es weiter geht kann man im Buch nachlesen.

Text: Monika Paulsen  Foto: Sabine Jacob und Westdörp/www.gn-fotoservice.de

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